Connectivity

Glasfaser über die Telefondose nutzen

Tipps und Hinweise für Ihr Unternehmen

Wie kommt das schnelle Glasfaser-Internet vom Keller in Ihr Büro oder Homeoffice? Oft endet der Glasfaseranschluss im Gebäudekeller, während das WLAN keine Option ist. Kann die bestehende Telefonverkabelung helfen, die Geschwindigkeit ins richtige Zimmer zu bringen? Hier erfahren Sie, welche Lösungen es dafür gibt.

Inhaltsverzeichnis

Glasfaser über die Telefondose: Das Wichtigste in Kürze

  • Je nach gewählter Erschließungsart reichen Glasfaseranschlüsse bis zu den Arbeitsplätzen (Fiber-to-the-Desk), bis in die Wohnung (Fiber-to-the-Home) oder sie enden im Keller oder Hausanschlussraum (Fiber-to-the-Building). Im letzten Fall müssen Sie die Internetdaten von dort bis in die einzelnen Büros weiterführen.
  • In vielen Gebäuden können Sie für den Transport von Daten vorhandene Telefonleitungen nutzen. Doch für das Internet über die Telefondose gelten einige Voraussetzungen.
  • Bestehende Telefoninstallationen sind sehr unterschiedlich. Die Bandbreite reicht von einfacher Zwei-Adern-Verkabelung für analoge Anschlüsse bis hin zu achtadrigen Kabeln.
  • Die erreichbaren Bandbreiten von Internet über die Telefondose liegen in der Regel deutlich unter denen einer durchgehenden Verkabelung mit Glasfaser im gesamten Gebäude.
Eine Frau telefoniert mit einem Smartphone und lächelt dabei.

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Glasfaser über Telefondose: Ist das möglich?

Für die Versorgung mit schnellem Internet gibt es in Deutschland unterschiedliche Erschließungsarten. Die wichtigsten und am häufigsten genutzten sind:
  • Kabel-Internet: Die Glasfaser führt in den Keller des Gebäudes zum sogenannten Hausübergabepunkt (HÜP). Von dort werden Wohnungen und Büros über den Kabelanschluss für das Kabelfernsehen mit Internet versorgt. Je nach Anbindung teilen sich dabei Kabelfernsehen, Telefon und Internet ein gemeinsames Kabel. Das hierfür verwendete Koaxialkabel bringt Internet mit bis zu 1.000 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zu den Kund:innen.
  • Fiber-to-the-Curb (FTTC): Die Glasfaser-Leitung reicht bis zum nächsten Verteilerkasten am „Bordstein“ (englisch: Curb). Von dort gehen die Internetdaten über die vorhandene Telefonleitung in die einzelnen Gebäude zu den Kund:innen. Diese Technik kommt beim VDSL-Anschluss zum Einsatz. Datenübertragungsraten von bis zu 250 Mbit/s sind möglich, je nach Entfernung zum Verteilerkasten.
  • Fiber-to-the-Building (FTTB): Die Glasfaser reicht bis ins Gebäude, meist bis in den Keller. Von dort muss das Internet dann auf anderen Wegen zu den einzelnen Gebäudeetagen weitergeleitet werden, beispielsweise über Kupferkabel. Hierbei ist eine Datenrate von bis zu 1.000 Mbit/s erreichbar.
  • Fiber-to-the-Home (FTTH): Die Glasfaser reicht bei Privatkund:innen bis in die Wohnung. Im Unterschied zu FTTB gibt es also noch eine weiterreichende Glasfaserverkabelung vom Keller oder Hausanschlussraum bis auf die Wohnetage und in die dortige Wohnung.
  • Fiber-to-the-Office (FTTO): Die Glasfaser reicht von der Vermittlungsstelle bis in die Büroeinheit. FTTO für Geschäftskunden entspricht somit FTTH als Privatkundenprodukt. Die beiden Begriffe werden daher oft auch synonym verwendet. Die Verteilung des Signals innerhalb der Räume und an die Arbeitsplätze findet über Gigabit-Ethernet oder WLAN statt. Mit FTTO sind Internetgeschwindigkeiten pro Anschluss von bis zu 1 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) erreichbar.
  • Fiber-to-the-Desk (FTTD): Die Glasfaser reicht von der Vermittlungsstelle bis zum Arbeitsplatz oder Schreibtisch (englisch: Desk). Über FTTD sind Geschwindigkeiten von bis zu 10 Gbit/s an einem einzelnen Arbeitsplatz möglich. Das entspricht 10.000 Mbit/s.
  • Internet via Mobilfunk: Das Gebäude wird per Funk vom nächsten Mobilfunkmast mit schnellem Internet versorgt. Über einen 4G|LTE- oder 5G-Router wie den Vodafone Gigacube wird das Internet dann innerhalb des Gebäudes per LAN oder WLAN weiterverteilt. Mit 5G sind bis zu 300 Mbit/s im Download möglich. Im 4G|LTE-Netz liefert der Router bis 50 Mbit/s.
Während die Erschließungsarten Kabel-Internet, FTTH/FTTD und Internet via Mobilfunk das schnelle Internet direkt bis zum Arbeitsplatz führen, benötigen Sie bei FTTB eine zusätzliche hausinterne Verkabelung für die Unterverteilung. Auch FTTC-Anschlüsse enden zum Teil im Gebäudekeller, von wo das Internet-Signal ebenfalls weitergeführt werden muss.
Sofern das Gebäude keine interne Glasfaser- oder Ethernet-Verkabelung besitzt und WLAN beispielsweise aufgrund von massiven, stahlarmierten Decken und Wänden nicht möglich ist, kann die Weiterleitung des Internetsignals über ein vorhandenes internes Telefonnetz eine Alternative sein.
Ein Mann sitzt vor einem Haus an einem Tisch und blickt auf ein Notebook. Links neben ihm steht ein GigaCube

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Installation und Einrichtung: So nutzen Sie das interne Telefonnetz für das Internet

Bei Glasfaseranschlüssen über FTTB endet die Glasfaser im Keller oder Hausanschlussraum des Gebäudes mit dem sogenannten Optical Network Termination (ONT, auf Deutsch: Optischer Netzwerkabschluss). Häufig bezeichnet man diesen ONT auch als Glasfasermodem.
Der ONT besitzt je nach Modell einen Glasfaserausgang oder einen sogenannten WAN-Port im RJ45-Format oder beides. Um die Internet-Verbindung über Ihr vorhandenes Telefonnetz weiterzuleiten, gibt es nun verschiedene Wege. Welcher davon möglich ist, hängt von der Art Ihrer vorhandenen Telefonverkabelung ab.

Beste Variante: Achtadrige Sternverkabelung

Vom Keller aus führen getrennte, achtadrige Telefonleitungen zu allen Büroräumen, die Sie mit Internet versorgen möchten. Man spricht auch von einer Sternverkabelung, da alle Anschlüsse sozusagen sternförmig in den Keller führen. Dies ist die günstige Ausbauform für das Internet über die Telefondose. Dann haben Sie folgende Möglichkeiten:
Komplette Ethernet-Umstellung
  1. Sie verbinden den ONT per Glasfaserkabel mit einem Router mit Glasfasereingang, beispielsweise eine FRITZ!Box 7630. Alternativ können Sie einen Router ohne Glasfaser-Anschluss mit dem WAN-Port des ONT verbinden, sofern ein solcher Port vorhanden ist.
  2. Auf diesem Router richten Sie ein LAN (Local Area Network) ein.
  3. Die Telefondosen im Keller und in den Büroräumen ersetzen Sie durch Ethernet-Dosen nach Ethernet-Standard Cat5/5e.
  4. Anschließend verbinden Sie die Ethernet-Anschlüsse des Routers über die so geschaffenen Ethernet-Verbindungen mit den Telefonleitungen zu den einzelnen Büros.
Die erreichbare Internet-Bandbreite hängt von der Qualität der Verkabelung und deren Abschirmung ab. Auch die Länge der Verkabelung spielt eine Rolle. Mehr als 100 Meter Kabellänge bis zum nächsten Verteilerpunkt sind technisch nicht vorgesehen. Im günstigsten Fall sind Bandbreiten von bis zu 1.000 Mbit/s an den einzelnen Anschlüssen erreichbar.
Versorgung über Router
  1. Sie bauen nur eine Telefonleitung auf Ethernet um und verbinden diese mit dem WAN-Anschluss des Routers.
  2. Im entsprechenden Büro stellen Sie einen Router auf, den Sie per WAN an die umgebaute Telefondose anschließen.
  3. Von dort verteilen Sie das Internet-Signal über Ethernet oder WLAN in die anderen Büroräume.
Die maximale Bandbreite für ein solches WAN liegt bei 1.000 Mbit/s zwischen ONT und Router. Diese Bandbreite teilt sich dann über den Router auf alle Nutzer:innen auf.
Das Bild zeigt einen Mann mit einem Smartphone

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Ältere zweiadrige Telefonverkabelung
In vielen Gebäuden sind lediglich zweiadrige Telefonkabel in jeder Wohn- oder Gewerbeeinheit vorhanden. Diese stammen oft noch vom alten, analogen Telefonsystem. Für eine Ethernet-Verkabelung reicht diese Adernzahl nicht aus. Sie haben aber folgende Möglichkeiten:¶
Räume über das vorhandene WAN erschließen
  1. Sie bauen eine einzelne analoge Telefonleitung zur WAN-Leitung um (Zweckentfremdung). WAN benötigt lediglich zwei Adern.
  2. Im entsprechenden Büro stellen Sie Ihren Router auf, den Sie über diese WAN-Verbindung mit dem ONT verbinden.
  3. Danach verteilen Sie von diesem Büro aus das Internet weiter über Ethernet oder WLAN.
Alternative: Gigabit Home Network (HomeGrid)
  1. Zuerst schließen Sie den Router an den ONT an, verbinden einen Powerline- oder G.hn-Adapter mit dem Router und verbinden den Adapter dann mit dem Telefonanschluss.
  2. Im jeweiligen Büro schließen Sie einen weiteren Powerline- oder G.hn-Adapter an die Telefon-Buchse an und erhalten somit dort je nach Adapter-Typ Internet über Ethernet oder WLAN
  3. Die Adapter benötigen in der Regel sogenannte RJ-11-Buchsen an den Telefondosen. Falls Sie lediglich analoge TAE-Dosen an Ihren Telefonanschlüssen haben, müssen Sie nun noch entsprechende Zwischenstecker RJ11-auf-TAE anbringen oder die Verkabelung der Telefone ändern.
Die erreichbare Bandbreite für G.hn beträgt theoretisch bis zu 2.400 Mbit/s für alle Teilnehmer zusammen, liegt in der Praxis aber deutlich darunter.¶
Ist eine bereits vorhandene Telefonanlage ein Problem?
In Ihrem Gebäude ist zwar ein internes Telefonnetz vorhanden, dieses wird aber gegenwärtig für die vorhandene Telefonanlage genutzt? Auch das ist kein Problem: Sie können Ihre Telefonanlage beispielsweise durch eine moderne VoIP-Anlage ersetzen und alle Telefone über Ethernet mit Ihrem Firmennetz verbinden. Das interne Telefonnetz und Ihr Hausnetzwerk wachsen somit zusammen und Sie erhalten viele neue Komfortfunktionen, die die alte Anlage technisch nicht bieten konnte.

Vor- und Nachteile von Glasfaser über die Telefondose

Internet über die Telefondose kann in Bestandsbauten eine Lösung sein, um das Internet vom ONT im Keller zu den einzelnen Büroräumen zu bringen. Es bietet einige Vorteile, hat aber auch erhebliche Nachteile, die Sie abwägen sollten, bevor Sie eine Entscheidung treffen.

Vorteile:

  • Sie können Internet auch dort nachträglich per Kabel bis an den Arbeitsplatz bringen, wo eine zusätzliche Verkabelung derzeit nicht möglich oder von den Hauseigentümer:innen nicht gewünscht ist.
  • Gerade über größere Distanzen kann die Installation von Internet über die Telefondose wirtschaftlicher sein als eine komplette Neuverkabelung. Das gilt besonders, wenn keine Leerrohre oder Aufzugschächte für eine einfache nachträgliche Verkabelung vorhanden sind.

Nachteile:

  • Je nach gewählter Variante liegen die tatsächlich erreichbaren Bandbreiten deutlich unter denen einer durchgehenden Glasfaserverkabelung bis an den Arbeitsplatz. Mit Ethernet über Telefonleitung sind bis zu 1.000 Mbit/s erreichbar – je nach Umgebungsbedingungen aber auch nur 100 Mbit/s.
  • Einige der vorgestellten Lösungen sind sehr komplex. Dabei müssen Sie Komponenten verschiedener Hersteller koppeln. Bei einer Störung oder einer schlechten Verbindung ist oft schwer ersichtlich, wo die Ursache liegt.
  • Ein Telefonkabel als Ersatz für ein Ethernet-Kabel ist technisch deutlich schlechter abgeschirmt gegenüber Störeinflüssen von außen oder aus dem Gebäude selbst. Welche Datenrate vor Ort in der Praxis erreichbar ist, lässt sich auch nicht vorhersagen.
  • Die spätere Aufrüstung des achtadrigen Telefonkabels auf leistungsfähigeres Ethernet Cat6 ist nicht möglich. Hierfür reichen die Signalqualität und die Schirmung von Telefonadern in der Regel nicht aus.
  • Systeme wie Powerline und G.hn müssen sorgfältig gegen andere hochfrequente Netze wie WLAN abgeschirmt sein. Sonst können sie sich im ungünstigsten Fall gegenseitig stören und ausbremsen.
Wenn Sie unsicher sind, welche Lösung für Sie infrage kommt, sollten Sie sich entsprechend beraten lassen. Langfristig ist die Glasfaserverkabelung bis an alle Arbeitsplätze die beste und zukunftssicherste Ausbauform.
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Unser Fazit: Deshalb ist Glasfaser über die Telefondose eine Alternative

Glasfaser über die Telefondose bietet eine praktikable Lösung für alle Unternehmen, die keine Glasfaser- oder Kabelinfrastruktur innerhalb ihres Firmengebäudes nutzen können, auch wenn sie einen Glasfaseranschluss haben. Die Technologie nutzt mittels Adaptern bestehende Kupferleitungen in Gebäuden und ermöglicht dadurch eine schnelle und unkomplizierte Bereitstellung von Breitbandanschlüssen – ganz ohne aufwendige Bauarbeiten.
Allerdings müssen die bestehenden Telefonleitungen einige Voraussetzungen erfüllen. Bei einer 8-adrigen Verkabelung können Sie die Infrastruktur am effektivsten nutzen und Bandbreiten von bis einem Gigabit bis in Ihre Büroräume bringen. Gibt es hingegen nur ältere 2-adrige Verkabelungen, müssen Sie diese zu einer WAN-Leitung umfunktionieren. Hierbei können die erreichbaren Bandbreiten allerdings stark schwanken und pro Benutzer:in niedrig sein. Der Vorteil, den Glasfaser eigentlich mit sich bringt, erübrigt sich dann möglicherweise.
Alternative: Moderne DSL- und VDSL-Verfahren sorgen nach wie vor für stabile und gleiche Geschwindigkeiten pro Benutzer:in, die für alltägliche Anwendungen wie Büroarbeit in kleinen und mittelständischen Firmen, Homeoffices und Videokonferenzen bzw. -streaming völlig ausreichend sind. Damit ist diese Anschlussart besonders attraktiv für Regionen, in denen Glasfaser noch nicht verfügbar ist oder wo dessen Vorteile wie oben erwähnt durch eine alte Verkabelung verloren gehen. Für Unternehmen oder Haushalte, die eine zuverlässige Internetverbindung benötigen, ist dies nach wie vor eine sinnvolle Alternative.

Glasfaser über die Telefondose nutzen: Häufig gestellte Fragen (FAQ)

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